Micron-aktie im visier: kann der chip-riese die ki-euphorie rechtfertigen?
Die Nervosität an der Wall Street ist spürbar, und all die Augen richten sich auf Micron Technology. Der bevorstehende Bericht über die Geschäftszahlen könnte einen Wendepunkt markieren – nicht nur für Micron, sondern für die gesamte Tech-Branche, die derzeit mit wachsender Skepsis die Nachhaltigkeit des KI-Booms betrachtet.
Der höhenflug dank künstlicher intelligenz
Noch vor kurzem schien alles beim alten Chip-Hersteller zu laufen. Die Aktienkurse sind in diesem Jahr um unglaubliche 269% gestiegen, angetrieben von der unstillbaren Nachfrage nach Speicherchips für Rechenzentren. Micron war damit der maßgebliche Faktor für den deutlichen Anstieg des S&P 500 Index um 7,6%. Weitere Speicher- und Lagerspezialisten wie Sandisk, Western Digital und Seagate profitierten ebenfalls von diesem Trend.
Doch nun keimt der Zweifel auf, wie lange dieser goldene Regen noch andauern wird. Der jüngste Rückschlag kam aus Südkorea, wo SK Hynix, ein direkter Konkurrent von Micron, seine Produktionsausweitung für KI-Chips verlangsamt. Die Folgen waren sofort spürbar: Micron-Aktien fielen um 13%, und der Philadelphia Semiconductor Index erlebte seinen schlimmsten Absturz seit dem 5. Juni.
Die Investoren sind nun gespannt, was Micron zu diesem Thema zu sagen hat. Joe Mazzola von Charles Schwab fasst die Situation treffend zusammen: “Jede Enttäuschung in den Micron-Zahlen könnte eine Abwärtsspirale auslösen, während ein positives Ergebnis neue Käufer anlocken und den Sektor stabilisieren könnte.”

Geldregen aus dem silicon valley
Die Tech-Giganten Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta stecken gigantische Summen in den Ausbau ihrer Rechenzentren. Bis 2026 sind Investitionen in Höhe von 725 Milliarden Dollar geplant, und für das folgende Jahr sind weitere, noch größere Ausgaben angekündigt. Dieser Geldfluss hat die Hersteller von Chips und Computerkomponenten zu den erfolgreichsten Aktien des Jahres gemacht. Allein Micron trägt fast ein Fünftel der Gewinne des S&P 500 im Jahr 2023 bei, und sieben der zehn größten Gewinner stammen aus der Halbleiterbranche.
Experten wie Melissa Otto von Visible Alpha sind zwar optimistisch, betonen aber, dass der Markt Klarheit benötigt: “Die Frage ist, ob der Markt tatsächlich größer und vielfältiger ist als in früheren Zyklen.”

Erwartungen und realität
Die Analysten schätzen, dass Micron im letzten Quartal einen Gewinn von 23,8 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 35,6 Milliarden Dollar erzielen wird – ein Anstieg von 1.165% bzw. 283% gegenüber dem Vorjahr. Darüber hinaus wird die Beobachtung der langfristigen Lieferverträge und der Auftragsbücher genau verfolgt, um Hinweise auf eine anhaltende Nachfrage zu erhalten.
Die bisherigen Gewinnmeldungen von Micron haben jedoch oft die Erwartungen enttäuscht. In fünf von den letzten sechs Quartalen sind die Aktienkurse nach der Veröffentlichung gefallen. Der Optionsmarkt deutet auf eine mögliche Schwankung von 10% in beide Richtungen hin.
Ein fragiles gleichgewicht
Paul Meeks von Freedom Capital Markets äußert seine Besorgnis: “Unabhängig von den Ergebnissen und Prognosen sind die Aktien in der Vergangenheit oft gefallen.” Micron befindet sich möglicherweise in der Nähe seines Höchststandes, da das Umsatzwachstum im Jahr 2027 voraussichtlich auf 76% und 2028 auf nur noch 8% sinken wird.
Trotzdem gibt es auch positive Signale: Micron wird mit einem relativ niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 10 gehandelt, verglichen mit 20 bzw. 24 für den S&P 500 und den Nasdaq 100. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Analysten (50 von 55) Micron weiterhin als “Kaufen”-Empfehlung geben. Allerdings haben die Aktienkurse so stark zugelegt, dass die Kursziele der Analysten hinken.
David Wagner von Aptus Capital Advisors fasst die aktuelle Lage prägnant zusammen: “Die Latte liegt extrem hoch. Wir müssen uns fragen, ob die Perfektion bereits im Preis eingepreist ist.”