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Netflix: das wachstum stockt – ist der streaming-gigant in der krise?

Die einst unaufhaltsame Erfolgsgeschichte von Netflix erlebt eine unerwartete Wende. Nach einem erneuten Quartal mit verlangsamtem Wachstum ringt das Unternehmen mit sinkenden Aktienkursen und wachsender Konkurrenz. Die Anleger sind nervös, und die Frage, ob Netflix seinen dominanten Status im Streaming-Markt behaupten kann, wird immer lauter.

Die zahlen lügen nicht: ein besorgniserregendes bild

Die jüngsten Quartalszahlen von Netflix malen kein schönes Bild. Mit erwarteten Einnahmen von 12,9 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn pro Aktie von 82 Cent liegt das Unternehmen leicht unter den Prognosen der Analysten. Der Aktienkurs stürzte im späten Handel um bis zu 9 Prozent ab und setzt damit den Abwärtstrend des vergangenen Jahres fort, in dem die Aktien bereits über 40 Prozent an Wert verloren haben. Die geplatzte Fusion zwischen Warner Bros. und Paramount hat das Vertrauen der Investoren zusätzlich erschüttert.

Obwohl Netflix weiterhin mehr Abonnenten und Zuschauer als jeder andere Streaming-Dienst besitzt, deutet die verlangsamte Wachstumsrate auf eine zunehmende Herausforderung hin. Eine Phase der Trockenheit bei neuen Produktionen in der ersten Jahreshälfte, verbunden mit Schwierigkeiten etablierter Serien, ihre Zuschauer zu halten, hat das Problem noch verschärft.

Doch Netflix versucht, die Stimmung zu beruhigen. Das Unternehmen präsentierte einen Plan zur Aufrechterhaltung des Wachstums in den kommenden Jahren und hob den Erfolg von „Ich werde dich finden“ hervor, einer Adaption eines Harlan Coben-Romans, die dieses Jahr die meistgesehene Netflix-Originalserie war. Finanzvorstand Spencer Neumann betonte in einer Konferenzschaltung mit Analysten, dass Netflix nicht „von Quartal zu Quartal“ denke und verweist auf das noch ungenutzte Potenzial des Marktes: „Wir haben nur etwa 45 Prozent unseres potenziellen Marktes erreicht und stellen lediglich 5 Prozent des weltweiten Fernsehverbrauchs dar.“

Neue strategien im kampf gegen die konkurrenz

Neue strategien im kampf gegen die konkurrenz

Netflix investiert verstärkt in neue Programmformate, darunter Live-Sportübertragungen und Video-Podcasts. Diese ziehen zunehmend Zuschauer an, insbesondere auf mobilen Geräten. Auch die Zusammenarbeit mit Social-Media-Stars wie Alan Chikin Chow und Nick DiGiovanni sowie die Partnerschaft mit dem französischen Sender TF1 sollen frischen Wind in das Angebot bringen. Die Ausgaben für Programmproduktionen werden dieses Jahr voraussichtlich um rund 10 Prozent steigen. Besonders interessant ist der Einsatz generativer künstlicher Intelligenz in fast 300 Programmen.

Ein leichtes Zeichen der Erholung zeigt sich in der Nutzungsdauer von Netflix, die im ersten Halbjahr 2024 um 2 Prozent gestiegen ist – trotz der Konkurrenz durch die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Winterspiele. Allerdings hat Netflix beschlossen, den Bericht „Was wir gesehen haben“ zur Zuschauerresonanz zukünftig nur noch einmal jährlich zu veröffentlichen. Der Konzern argumentiert, dass die bisherigen Berichte mehr Schaden als Nutzen angerichtet hätten, da sie die Besorgnis der Investoren verstärkt hätten.

Die Entscheidung, die Transparenz bei der Offenlegung von Zuschauerdaten zu reduzieren, könnte die Nervosität der Anleger weiter anheizen. „Als das Wachstum der Abonnenten nachließ, hörte Netflix auf, vierteljährliche Mitgliederzahlen zu veröffentlichen“, so Mike Proulx von Forrester. „Nun, angesichts der zunehmenden Aufmerksamkeit für die Nutzerbeteiligung, reduziert das Unternehmen die Häufigkeit dieser Berichte. Wenn die Nutzerbeteiligung tatsächlich gesund ist, sollten Investoren eine höhere, nicht eine geringere Transparenz einfordern.“

Die Co-CEOs Greg Peters und Ted Sarandos prüfen derzeit neue Strategien zur Gewinnung von Abonnenten, darunter kostenlose Testphasen in ausgewählten Märkten und die Einführung eines werbefinanzierten Streaming-Angebots in der Zukunft. Ob dieses Modell wirklich funktioniert, bleibt abzuwarten, denn Peters betonte die Notwendigkeit, die mögliche Kannibalisierung der kostenpflichtigen Abonnements zu berücksichtigen.

Die Zukunft von Netflix ist ungewiss. Das Unternehmen steht vor der Herausforderung, seine Innovationskraft zu beweisen und die Konkurrenz im Streaming-Markt erfolgreich zu bestehen. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob Netflix seine Wende gelingt oder ob der Streaming-Gigant tatsächlich in eine Krise gerät.